Was ist ein Lebensübergang?
Alles wird und vergeht wieder.
Alles verändert sich.
Ein Bogen schliesst sich, ein neuer Zyklus beginnt, eine neue Tür öffnet sich oder wir treten in eine neue Phase ein.
Die Sprache deutet es an: Unser Leben ist voller Übergänge. Wir richten uns ein, führen eine Weile ein ruhiges Leben und dann wird wieder etwas auf den Kopf gestellt und das fragile Gleichgewicht in unserem Leben muss – oder darf – sich wieder neu einstellen.
Altersabhängige Übergänge
Manche Übergänge sind altersabhängig: Den ersten Schultag erlebt man in einem bestimmten Alter. Ebenso den Schuleintritt, den Beginn der Berufslehre, die Rekrutenschule oder später im Leben den Eintritt in die Wechseljahre oder die Pensionierung. Auch eine Heirat oder alle Themen rund um Schwangerschaft und Kinder kriegen sind in einem bestimmten Alter häufiger als vorher oder nachher – hier ist aber in den letzten Jahrzehnten der Spielraum für Abweichungen durch persönliche Entscheide oder Umstände sowie das Bewusstsein dafür deutlich grösser geworden.
Persönliche Übergänge
Sogenannte persönliche Übergänge haben viel mit dem individuellen Leben und persönlichen Entscheiden des einzelnen Menschen zu tun. Beispiele dafür sind Umzüge, Trennungen und Scheidungen, Einbürgerungen, Weiterbildungen, Jobwechsel und Beförderung, aber auch Identitätswechsel, Coming-out und geschlechtsangleichende Operationen. Letztlich gehören auch Krankheiten und dazugehörende Genesungsverläufe zu den persönlichen Übergängen.
Persönlicher oder altersabhängiger Übergang?
Diese beiden Kategorien helfen bei der Einordnung der Vielzahl an möglichen Lebensübergängen. Ein Bewusstsein für die altersabhängigen Übergänge hilft zudem zu antizipieren, welche Übergänge als nächstes anstehen könnten. Interessant ist auch, dass ein Ausbleiben der Übergänge unter Umständen gleichermassen irritieren und Reibung erzeugen kann wie ein Übergang selbst (beispielsweise bei Menschen, die sich für ein kinderfreies Leben entscheiden).
Die Kategorien sind aber nicht trennscharf und sollen es auch nicht sein. Das lässt sich gut anhand des Todes zeigen: Während der Tod für viele Menschen ein altersabhängiger Übergang nach rund 70-80 Jahren ist, kann er aber bei Suizid, Unfällen oder Krankheiten auch in die Kategorie persönlicher Übergang fallen.
Übergang ist nicht gleich Übergang
Sicher ist dir aufgefallen, dass wir Übergänge nicht immer gleich erleben. Die meisten Übergänge erleben wir geschmeidig, freudig, vielleicht verbunden mit Aufregung, aber eigentlich ohne grosse Schwierigkeiten. Mit einem kleinen Ritual können wir diese bewusst wahrnehmen und feiern.
Manche Übergänge fordern uns jedoch heraus und sind schwer auszuhalten. Dort können Rituale Trost und Kraft geben.
Kein Übergang ist gleich wie der andere. So löst der sogar der Tod in verschiedenen Kontexten ganz unterschiedliche Gefühle in uns aus: Stirbt eine betagte Person nach einem langen Leben, so weckt das andere Emotionen als der überrasschende Unfalltod einer Mutter von Kleinkindern.
Rituale an Lebensübergängen
Rituale an Lebensübergängen helfen uns, über die Wogen und Wellenpeaks, die manche Übergänge in unserem Leben verursachen, hinwegzukommen. Solche Rituale können in einer Gruppe erlebt werden wie eine Trauer- oder Abschiedsfeier oder in einem 1:1-Setting, wenn es um die Begleitung von persönlichen Lebensübergängen geht.